Sektion Amateurmeteorologie

Claudia Hinz

Online-Themenabend „Hochwasser“

Verfasst von am September 30, 2022

Am 4. Oktober 2022 um 19:00 Uhr möchten wir alle Wetterinteressierten zum Online-Themenabend „Hochwasser“ einladen.

Programm

Nach einem Vortrag von Norbert Maercz zum Thema:

„Das Jahrhunderthochwasser – 20 Jahre Elbe-Flut“ – ein Rückblick der Katastrophe

stellt Bastian Rießling das Wetternetz Hagen vor und berichtet zudem von der verheerenden Flut 2021 im Ahrtal.

Das Wetternetz-Hagen ist ein Verbund aus meteorologischen Messstationen im Hagener Stadtgebiet. Es wurde gegründet, da es in Hagen keine amtliche Wetterstation, die meteorologische Parameter wie Luftemperatur, Luftfeuchte, Niederschlag, Windgeschwindigkeit, Windrichtung und Sonnenscheindauer erfasst. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat seine Wetterstation in Hagen-Fley im Jahr 2007 im Zuge einer Messnetzumstrukturierung geschlossen. Derzeit geben 15 über die Stadt verteilte private Wetterstationen einen interessanten Überblick über das Stadtklima bebauter als auch unbebauter Gebiete und den verschiedenen Höhenlagen von 86 bis 438 m ü.NN.

Anmeldung (zum Erhalt der Zugangsdaten)

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Beobachtungshinweise Herbst 2022

Verfasst von am August 30, 2022

Am 1. September ist meteorologischer Herbstanfang. Die Tage werden nun rasant kürzer, Am schnellsten verändert sich die Tageslänge am astronomischen Herbstanfang um die Zeit der Tages- und Nachtgleiche. Zum Herbstanfang am 23. September beträgt die Abnahme der Tageslänge 3 Minuten und 22 Sekunden. Auch, wenn es tagsüber noch zu Sommertagen (≥ 25,0°C) kommen kann, kühlt es nachts empfindlich aus und mit den länger werdenden Nächten nimmt die Gefahr von Bodenfrost, und die Bildung von Dunst, Nebel oder Hochnebel zu und die Gewittertendenz nimmt ab.

Meteorologische Singularität: Altweibersommer

Die bekannteste Singularität im Herbst ist der Altweibersommer. Dabei handelt es sich um eine Schönwetterperiode, die regelmäßig von Mitte September und bis Anfang Oktober auftritt. Sie wird durch beständigen hohen Luftdruck über dem Festland oder durch eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa verursacht. Dabei führen südliche bis östliche Winde trockene Warmluft nach Mitteleuropa. Tagsüber wird es sommerlich warm, während es sich in den klaren Nächten oft schon sehr abkühlt.

Seinen Namen hat der Altweibersommer von den zu dieser Jahreszeit durch die Luft flatternden glitzernden, hauchdünnen Spinnfäden, die an die silbernen Haare alter Weiber erinnern. Die Mythologie führt auf die Spuren von drei Nornen oder Parzen, von denen eine den Lebensfaden spinnt, die zweite ihn zum Lebensmuster verwebt und die dritte ihn abschneidet und vom Winde davon tragen lässt, während die erste ihn schon wieder gesponnen hat im ewigen Kreislauf des Lebens bzw. der Jahreszeiten. 

Phänologie

Am 1. September ist meteorologischer Herbstanfang und auch die Planzenwelt stellt sich auf den Winter ein. Der Frühherbst wurde in diesem Jahr mit der Fruchtreife des Schwarzen Holunder und der Brombeere und der Obsternte fast überall durch den warmen und trockenen Sommer in den August verlagert. Auch der Vollherbst hat mit den ersten Früchten der Rosskastanie und Stiel-Eiche bereits begonnen, die Kartoffelernte und allgemeine Laubverfärbung wird bald folgen und der Spätherbst ist nicht mehr weit. Er beginnt mit der Laubverfärbung der Stieleiche und nachfolgend allen anderen Laubbäumen, die später in den ersten Herbststürmen ihre Blätter verlieren. Zudem geht das Wintergetreide auf und schon bald kommt die Vegetation zur Ruhe.

Markante Wetterlagen und Atmosphärische Erscheinungen

Im September können sich morgendliche Nebel meist noch auflösen. Grund dafür ist der noch relativ hohe Sonnenstand und die größere Tageslänge. Dadurch ist die Sonneneinstrahlung kräftig genug, um die unteren Luftschichten zu erwärmen und den Kaltluftsee tagsüber aufzulösen. Mit sinkendem Sonnenstand und kürzer werdenden Tageslänge kann die nächtliche Luft immer weiter auskühlen und es entstehen vermehrt Nebel und in den Bergen Inversionswetterlagen. Bei dieser sammelt sich in den Tälern die schwere Kaltluft und es bildet sich Nebel. Diese „kalte Suppe“ wird nach oben hin regelrecht gedeckelt, d.h. der Austausch zwischen tiefen und höher liegenden Luftschichten wird durch eine Sperrschicht verhindert. Diese Umkehr des normalerweise mit der Höhe abnehmenden Temperaturverlaufs nennt man Inversion. Voraussetzung für eine solche Inversion ist eine Landschaft, die aus Hochflächen und darin eingeschnittenen Tälern besteht sowie wolkenloser Himmel und Windstille, damit sich die Luftmassen nicht vermischen können.

Entstehung einer Inversion

Bei solchen Inversionswetterlagen können interessante atmosphärische Erscheinungen beobachtet werden. Blickt man von einem aus der Inversion ragenden Berg in flachem Winkel auf die Grenzschicht zwischen kalter Bodenluft und warmer Höhenluft, erscheinen ferne Berge manchmal verzerrt. Hierbei handelt es sich um eine Fata Morgana, also um eine Luftspiegelung nach oben. Diese entsteht durch die Krümmung von Lichtstrahlen an der Inversionsschicht. Denn an dieser ändert sich aufgrund des Temperatursprungs auch die Luftdichte und damit der Brechungsindex. Das Sichtziel erscheint also nicht nur einmal am Horizont, sondern wird ein zweites Mal in den Himmel gehoben oder weitere Male darüber. Bei wabernden Luftschichten kann ein entferntes Objekt bis zur Unkenntlichkeit verzerrt werden. Nicht selten erscheinen durch gekrümmte Lichtstrahlen auch Berge über dem Horizont, die aufgrund der Erdkrümmung sonst nicht sichtbar sind.

Aber nicht nur Berge, auch die Sonne wird beim Untergang durch Spiegelungseffekte stark verzerrt oder es entsteht eine zweite Sonne oberhalb. Beim Auftreten starker Sonnendeformationen ist noch ein weiteres Phänomen an der Sonne beobachtbar, der grüne Strahl (→ Video). Nähert sich die Sonne dem Horizont, wird sie je nach Schichtung der horizontnahen Luft stark deformiert. Am oberen Sonnenrand werden immer wieder Segmente abgeschnürt, die anschließend in leuchtendem Grün verglühen. Die Beobachtung ist aufgrund der großen Blendwirkung der Sonne sehr schwierig und man sollte es unbedingt vermeiden, mit bloßem ungeschütztem Auge in die Sonne zu blicken! Als Hilfsmittel zur Lichtminderung eignen sich Graufilter, Sofi-Brillen, Alu-Folie oder eine CD. Die sicherste Methode ist aber, den Sonnenuntergang über Live-View an der Kamera zu beobachten. Bei neueren DSLR-Kameras lässt sich das Bild auf dem Display bis um das 10-fache vergrößern. Zum Fotografieren eignet sich ein Objektiv mit langer Brennweite und mehreren Graufiltern, die bei Lichtabnahme nach und nach entfernt werden können.

Bewegt sich der Beobachter in den Nebel hinein, so dass gleichzeitig die Sonne noch hindurchscheint, entstehen drei weitere optische Erscheinungen, der Nebelbogen, das Brockengespenst und die Glorie.

Die drei Erscheinungen entstehen auf der sonnenabgewandten Seite. Der Nebelbogen entsteht wie ein Regenbogen, das Sonnenlicht wird an den Wassertröpfchen gebrochen. Aber da Nebeltröpfchen viel kleiner und zahlreicher sind, als Regentropfen, überlagern sich die Farben und ergeben einen fast weißen Bogen. In der Mitte des Nebelbogens befindet sich der oft vergrößerte Schatten des Beobachters, das Brockengespenst, welches oft von einer farbigen Glorie umringt ist. Sie entsteht, wenn das Licht an den winzigen Wassertröpfchen unter komplizierten physikalischen Vorgängen gebeugt und zurückgestreut und es entstehen farbige Ringe um den „Kopf“ des Schattens (→ Video). Im Flachland kann man Glorien auch in sehr seltenen Fällen bei flachen Bodennebelfeldern oder in aufsteigenden Nebeln im Wald beobachten.

Astronomie

Am 25. Oktober kann eine partielle Sonnenfinsternis beobachtet werden. Im Unterschied zur totalen Sonnenfinsternis wird bei einer partiellen Finsternis bloß ein Teil der Sonne vom Mond verdeckt. Die partielle Bedeckung beginnt etwa 11.10 Uhr und endet kurz nach 13 Uhr. Die maximale Bedeckung mit 20-30% ist gegen 12.10 Uhr.

Die totale Mondfinsternis am 8. November bleibt in unseren Gegenden leider unsichtbar, sie findet in Asien, Australien, Pazifik, Nord- und Südamerika statt.

Text und Fotos: Claudia Hinz

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20 Jahre deutschlandweiter Niederschlagsrekord in Zinnwald-Georgenfeld

Verfasst von am August 22, 2022

von Claudia Hinz und Norbert Märcz

20 Jahre ist es her, als am 12. August 2002 die damals noch bemannte Wetterstation Zinnwald-Georgenfeld am Kamm des Osterzgebirges mit einem offiziellen 24-Stunden-Meldung von 312 Liter pro Quadratmeter nicht nur Entsetzen bei den Meteorologen und Verantwortlichen auslösten, sondern auch einen neuen Deutschlandrekord aufstellte. In der Zeitspanne von 5:00 Uhr MESZ bis zum Folgetag waren es in 24 Stunden sogar 352,7mm!

20 Jahre her, als die Sturzfluten von Müglitz, Weißeritz und anderen Gebirgsflüssen gesamte Ortschaften quasi wegspülten, tausenden Menschen ihr Zuhause nahmen und allein in Sachsen 21 Todesopfer und mehr als 100 Verletzte forderte. 20 Jahre sind vergangen, seit die Elbe im weiteren Verlauf allmählich anschwoll und die Flutwelle einen Ort nach dem anderen überflutete. Auch, wenn die Städte und die Infrastruktur inzwischen wieder aufgebaut wurden, so hat sich das Hochwasser tief im kollektiven Gedächtnis der Betroffenen verankert und das Ahrhochwasser im letzten Jahr hat zahlreiche Erinnerungen aufgefrischt.

Niederschlagssteifen der Wetterstation Zinnwald-Georgenfeld vom 12.08.2012. Quelle: DWD

Wettersituation

Bereits im Juli häuften sich Wetterkapriolen: Stürme über Südfrankreich und den Pyrenäen, schwerer Dauerregen und Hagel in Italien, mehrere Unwetter in Tschechien und Polen, Überschwemmungen am Schwarzen Meer, Dauerregen auf Mallorca – und auch über Deutschland hielt sich wochenlang ein Höhentrog, der immer wieder von Tiefdruckgebieten gespeist wurde. Deutschland lag oft genau an der Luftmassengrenze, so dass sich zum Teil ergiebige Schauer über dem Land entluden.

Die Böden waren bereits gesättigt, als das Mittelmeertief (Vb) ILSE mit viel Feuchtigkeit im Gepäck die Alpen überquerte und nach Nordosten zog und in Ostbayern und Tschechien für erste Hochwasser sorgte. In den Frühstunden des 12.08.2002 erreichte der Kern des Tiefs schließlich Sachsen und verstärkte sich nochmals erheblich. Eine Nordwestströmung in der Höhe drückte die mit Flüssigwasser gesättigten Luftmassen gegen die Nordseiten der Mittelgebirge, so dass durch die damit verbundene erzwungene Hebung schwere Regenfälle auf breiter Front ausgelöst wurden. Zudem wurde das Tief über Ost- und auch über Westeuropa von kräftigen Hochdruckgebieten flankiert. Es wurde quasi stationär, drehte sich genau über dem Osterzgebirge ein und regnete sich hier bis zum Ende seines Lebenszyklus komplett aus. Vor allem nördlich von Zinnwald fielen verbreitet 200 mm Niederschlag, z.B. Talsperre Klingenberg: 280,6mm, Lauenstein: 267,3mm, Altenberg-Schellerhau: 251,1mm oder Glashütte: 237,2mm. Und wie schon erwähnt in Zinnwald am Erzgebirgskamm, wo mit 312,0 mm der bisherige deutsche Rekord (216,2 mm am 22.08.2005 in Balderschwang) deutlich gebrochen wurde.

Wettersituation, per Hand von Roland Baer (ehemals DWD) gezeichnet und dem Wetterverein Zinnwald zur Gedenkfeier überreicht

Sturzfluten

All diese Wassermassen ergossen sich in die Müglitz und Weißeritz und verwandelten die romantischen Bergbäche in reißende Sturzfluten, die alles mit sich rissen, was sich in den Weg stellte. Es wurden hunderte Häuser zerstört und das Mobiliar zusammen mit tausenden Bäumen, Autos, Brücken und Gleisen mit ins Tal gerissen. Auch Menschen, 11 verloren allein an der Müglitz ihr Leben. Das „Treibgut“ wurde zusammen mit Tonnen von Schlamm in die tiefer gelegenen Ortschaften gespült und Straßen zerstört oder ganze Ortschaften abgeschnitten. Zudem fiel in einigen Gegenden Strom und Telefon aus. Viele Menschen mussten mit Schlauchbooten oder dem Hubschrauber aus den Wassermassen gerettet werden. Unvergesslich bleiben hier sicherlich die Bilder von Weesenstein, wo sich vier Menschen auf eine letzte von ihrem Haus übrig gebliebenen Mauer retteten und 12 Stunden ausharrten, bis sie in einer flugtechnischen Meisterleistung von einer Hubschrauber-Crew gerettet werden konnten. Auch das in Fließrichtung dahinterliegende Doppelhaus wurde zur Hälfte weggerissen. Beide Häuser wurden später komplett abgerissen, um der Müglitz mehr Platz zu geben.

Auch die Weißeritz bleibt im Gedächtnis, sie brachte nicht nur die Talsperre Malter zum Überlaufen und überflutete im weiteren Verlauf Freital, sie suchte sich auch in Dresden wieder ihr altes Flussbett durch die Weißeritzstraße und überspülte unter anderem den Hauptbahnhof und die historische Altstadt mit der Semperoper, der Gemäldegalerie im Zwinger und dem Landtag. Auch die Universitätsklinik musste evakuiert werden.

Elbehochwasser

All diese Wassermassen sammelten sich zusammen mit der aus dem Riesengebirge kommenden, schon gut gefüllten Elbe, die am 17. August 2002 zwischen 6 und 8 Uhr am Pegel Dresden einen Wasserstand von 9,40 Meter erreichte – der höchste jemals gemessene Wasserstand im Stadtgebiet. Sicher kam dieser auch dadurch zustande, weil die letzten großen Hochwasser der Jahre 1845 und 1890 längst vergessen waren und seitdem Flussläufe begradigt, Flächen versiegelt, Flutwiesen bebaut oder wasserspeichernde Wälder abgeholzt wurden.

Die Welle bewegte sich entlang der Elbe, Staustufen liefen über, die Pegel der Elbe und ihrer Nebenflüsse stiegen sprunghaft an und ganze Landstriche aber auch Städte wie Pirna, Meißen oder Grimma wurden überflutet.

Von Sachsen rollt die Flutwelle über Sachsen-Anhalt und Brandenburg Richtung Norden. Behörden und Anwohner wurden alarmiert und konnten sich zumindest auf das Schlimmste vorbereiten. Überall wurden Sandsäcke aufgetürmt, Türen und Fenster mit Holzplatten zugenagelt und Wertgegenstände in die oberen Etagen gebracht. In den Elbauen wurden Campingplätze geräumt und das Vieh von den Weiden getrieben.

Entlang der Elbe (ohne Nebenflüsse) kam es zu 21 Deichbrüchen und nachfolgender Überschwemmung einer Fläche von mehr als 300 km². Insgesamt gab es 21 Todesopfer und mehr als 100 Verletzte. Über 25000 Wohngebäude, ca. 800 km Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen mit hunderten Brücken wurden alleine in Sachsen durch die Flut beschädigt. Bis zum Hochwasser im Ahrtal galt das Elbehochwasser als die teuerste Naturkatastrophe in der deutschen Geschichte.

Gedenkveranstaltung in Zinnwald

Zurück zu Zinnwald, wo nicht nur der Niederschlagsrekord an dieses Ereignis erinnert, sondern auch eine vom Wetterverein Zinnwald organisierte Gedenkveranstaltung. Am Jahrestag fanden sich etwa 250 Interessierte, darunter auch zahlreiche Mitglieder des Gachausschusses Amateurmeteorologie, in einem großen Festzelt ein und lauschten der auch ohne Vorkenntnisse nacherlebbaren meteorologischen Analyse des DWD-Mitarbeiters Thomas Hein, interessanten Augenzeugenberichten und ein Bericht über das, was inzwischen zum Schutz vor ähnlichen Hochwassern seitens der Talsperrenverwaltung getan wurde.

So berichtete Jochen Löbel, der langjährige Chef des Hotels Lugsteinhof, dass sich selbst am 874m hoch gelegenen Lugsteinhof ein 3 Meter tiefer See gebildet hatte, der schließlich ein Fenster eindrückte und den Keller und das Erdgeschoss flutete. Mit Baggern wurde versucht, das Wasser abzuleiten und ein Schneepflug versuchte, die auf die Straße gespülten Steine zu beseitigen. Das Handynetz und der Strom war ausgefallen und der Ort war nur noch über Rehefeld anfahrbar, wo es noch die einzig unzerstörte Brücke gab. Da die Gäste aus dem Lugsteinhof abgereist waren, wurde das Hotel zur Einsatzzentrale für Zoll und Bundesgrenzschutz umfunktioniert. Gäste konnten erst wieder im Oktober empfangen werden, da die Straßen so lange gesperrt waren.

Nach einer kleinen Pause, die von den Gästen zum Kaffee- und Kuchenholen genutzt wurde, berichtete die dankenswerterweise kurzfristig eingesprungene Frau Drewlow von der Landestalsperrenverwaltung über die bisher umgesetzten Maßnahmen zum Hochwasserschutz und über die Verkürzung der Vorwarnzeit. Mehr als drei Milliarden Euro hat der Freistaat Sachsen seit 2002 in den Hochwasserschutz investiert, die Zahl der Hochwasserrückhaltebecken ist inzwischen auf 24 gestiegen und es wurde auf 750 Kilometer Länge Hochwasserschutzanlagen gebaut. Zudem sind alle aktuellen Pegelstände, Durchflüsse, Hochwasserwarnungen und -vorhersagen frei im Internet abrufbar. Dennoch – einen hundertprozentigen Hochwasserschutz wird es nie geben und jeder, der an einem Fluss lebt oder dort Eigentum hat, sollte sich seiner Gefährdung bewusst sein.

In Kipsdorf direkt an der Roten Weißeritz erlebte Jürgen Hebert das Hochwasser und dokumentierte es in zahlreichen Fotos und Videoschnipseln, welche sicher jeden im Raum emotional packten. Sie zeigten, wie das Wasser höher und höher stieg und immer mehr Bäume und Steine in seinen Garten geschwemmt wurden. Das Sichern der Häuser musste schließlich aufgegeben werden und alle Menschen wurden gegen 21 Uhr evakuiert. Nur das Nötigste konnte mitgenommen werden, so wurden kurzerhand die zwei Hunde eingepackt und die Katzen schweren Herzens zurückgelassen und auf die berühmten sieben Leben gehofft (die sie zum Glück auch hatten). Nach der Rückkehr war nicht nur der Keller geflutet und es gab große Schäden am Haus, sondern es fehlten Trinkwasser, Strom, Handynetz und Brücken. Ein Zugang ging nur bis Bärenfels, der Rest musste zu Fuß zurückgelegt werden, denn die Straßen waren wegen umgestürzter Bäume und riesigen Unterspülungen und Bruchstellen unpassierbar. Die Erstversorgung erfolgte über Hubschrauber. Zudem war das gesamte Flussbett voller Holz und anderer Dinge (Öltanks, Mopeds…). Und dennoch … alle Menschen hielten zusammen und halfen sich gegenseitig. Sie krempelten einfach die Ärmel hoch und packten an, vielleicht auch deshalb, um nicht darüber nachdenken zu müssen.

Jürgen Herbert berichtete mit eindrucksvollen Bildern von der Sturzflut an der Roten Weißeritz. Foto: Andre Dobersch

Falk Wagner war als Mitglied des Katastrophenschutzes der DRK des Kreisverbandes Freital im Einsatz und berichtete über seine Arbeiten am Hubschrauberlandeplatz Dippoldiswalde. Er half beim Beladen unzähliger Sandsäcke, koordinierte Rettungsflüge zur Bergung von Personen, die Verlegung von Intensiv-Patienten von Dippoldiswalde nach Leipzig und baute die Kommunikation in der Notunterkunft im Berufsschulzentrum Freital auf. Später war er an den Aufräumarbeiten im Raum Freital beteiligt und präsentierte kaum vorstellbare Fotos und Geschichten über die Zerstörungen in den Flutgebieten.

Es war eine informative, aber auch emotionale Veranstaltung und viele der Anwesenden wussten eigene Geschichten zu erzählen. Die Regenröhren des Wetterwanderwegs rund um den Lugstein erinnern an dieses Rekordereignis und hält auch nach diesem runden Jahrestag die Erinnerung an dieses Flutereignis wach.

Norbert Märcz präsentiert die Zinnwalder Regenröhren, bei denen der Rekordwert (letzte Röhre) im Vergleich zu den mittleren Monatsniederschlägen sichtbar gemacht wird.

Quellen:

  • B. Rudolf und J. Rapp: Das Jahrhunderthochwasser der Elbe, Abdruck aus Klimastatusbericht 2002, DWD Offenbach 2003: https://www.dwd.de/DE/leistungen/wzn/publikationen/Elbehochwasser.pdf
  • Pressemitteilung 10.3.2003 der Münchner Rückversicherung: „Naturkatastrophen 2002“
  • Starkniederschläge in Sachsen im August 2002, Zusammengestellt von Uwe Fritzschner (DWD/BI) und Gerhard Lux (DWD/PS), Deutscher Wetterdienst Offenbach, Oktober 2002: https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/begriffe/V/Vb-Wetterlage_pdf.pdf
  • Jahrhundertflut in Sachsen. Eine Bildchronik der Hochwasserkatastrophe 2002, Dresdner Druck- u. Verlagshaus, 2002
  • Die Flut. Die Hochwasserkatastrophe im August 2002. Eine Dokumentation., Chemnitzer Verlag, 2002
  • Die Jahrhundertflut – Bilder einer Katastrophe, Verlag: Dresdner Neueste Nachrichten, Oktober 2002
  • Heimat in Not – Bilder und Schicksale der Flut, SUPERillu Special, August 2002
  • Vorträge der Referenten

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Beobachtungshinweise August 2022

Verfasst von am Juli 28, 2022

Hundstage

Seit 23. Juli bis zum 23. August befinden wir uns im Zeitraum der Hundstage, in welchem statistisch die heißesten Tage des Jahres auftreten. Denn obwohl die Sonne schon wieder sinkt, sind Erde, Atmosphäre und vor allem auch die Meere maximal aufgeheizt, so dass die Summe aus aktueller Einstrahlung und gespeicherter Wärme am größten ist. In diesem Jahr ist die Wärmespeicherung aufgrund der mehrwöchigen Hitze in Südwesteuropa besonders groß, so dass davon auszugehen ist, dass uns die Hitzezunge noch das eine oder andere Mal erreichen wird.

Auch, wenn der Hund nicht Namensgeber für die Hundstage ist, genießt er in den heißen Tagen die Abkühlung

Mit Schatten suchenden Vierbeinern haben die Hundstage aber nichts zu tun. Stattdessen geht die Bezeichnung bis auf das alte Ägypten im 2. Jahrtausend v. Chr. zurück und bezeichnete die Rückkehr des Sternbildes Großer Hund (Canis Major) an den Morgenhimmel. Zuerst erscheint Sirius als hellster Stern über dem Horizont, der den Kopf des Hundes markiert. Bis zur Sichtbarkeit des gesamten Sternbildes vergehen 31 Tage, woher sich deshalb die Bezeichnung „Tage vom großen Hund“ (Hundstage) ableitet. Die Griechen erklärten den Zusammenhang zwischen der Wiederkehr des Sirius und den Tagen der (dort) größten Sommerhitze durch die Verschmelzung des Sonnenlichts mit dem „Feuer“ des Sirius. Arabische Astronomen bezeichneten die in flirrender Sommerhitze besonders häufig erscheinenden Fata Morganen gar als den „vom Himmel tropfenden Speichel des Hundssterns“.

Nach den Hundstagen endet zudem der Siebenschläferzeitraum und nicht selten ändert sich danach die Wetterlage grundlegend. Es wird kühler, unbeständiger und meist zieht der phänologische Frühherbst ein.

Phänologie

In der Phänologie endet meist in der dritten Augustdekade der Spätsommer und es beginnt der Frühherbst. Gekennzeichnet wird er durch die Fruchtreife von Schwarzem Holunder, Brombeere, Hundsrose (Hagebutten), Sanddorn, Weißdorn, Kornelkirsche, Aronia und Haselnuss. Auch Obst wie Zwetschgen, Äpfel und Birnen reifen im Frühherbst voll aus. Durch die große Hitze und die Trockenheit in diesem Jahr dürfte der Frühherbst schon deutlich eher beginnen, teilweise sind die Brombeeren schon jetzt reif.

Reife Holunderbeeren leiten den Frühherbst ein.

Sternschnuppennächte der Perseiden

Sternschnuppe über der Wetterwarte Fichtelberg

Vom 17. Juli – 24. August kreuzt die Erde die Bahn des Kometen Swift-Tuttle. Die Kometentrümmer treten in die Erdatmosphäre ein und erzeugen beim Verglühen wunderschöne Sternschnuppen. Die meisten Sternschnuppen sind allerdings vom 9. bis 13. August sichtbar mit einem Maximum in der Nacht vom 12. auf den 13. August. Leider stört in diesem Jahr das Licht des Vollmonds das Himmelsereignis, so dass schwächere Sternschnuppen nur schwer zu sehen sind. Doch auch in den Nächten davor und danach werden Hunderte der meist millimeterkleinen Gesteinsbrocken mit 60 Kilometern pro Sekunde, das sind 216.000 Kilometer pro Stunde, in die Erdatmosphäre eintreten und in 80 bis 100 Kilometer Höhe durch die Reibungshitze verglühen.

Der Radiant, also der Punkt, aus dem die Sternschnuppen kommen, ist das Sternbild Perseus (Karte ?). Es ist in Mitteleuropa zirkumpolar, das heißt es geht die gesamte Nacht über nicht unter. Somit sind die Perseiden auch schon zu Beginn der Nacht zu sehen. Allerdings können am Abendhimmel nur wenige Meteore beobachtet werden, denn der Beobachter befindet sich zu dieser Zeit auf der dem Partikelstrom abgewandten Seite der Erde und der Radiant liegt noch sehr flach über dem Horizont. Ab etwa Mitternacht steht er genügend hoch über dem Osthimmel. Die hellsten Meteore sind aber in Gegenrichtung zu beobachten, da dort die zu sehen sind, die in flachem Winkel in die oberen dünnen Atmosphärenschichten eintreten und dadurch sehr langsam verglühen.

Auffindkarte des Radianten der Perseiden. Quelle: Vereinigung der Sternfreunde e.V.

Wieder mehr Regenbögen

Die Regenbogenhäufigkeit nimmt im August deutlich zu. Denn es gibt (oft) noch zahlreiche Schauer, aber der Zeitraum, in welchem die Sonne tiefer als 40° steht und in der Ebene einen Regenbogen erzeugen kann wird immer größer. Zum Monatsende steigt die Sonne nur noch in den Mittagsstunden höher.

Denn der Hauptregenbogen ist ein Kreis mit 42° Radius um den Sonnengegenpunkt. Dieser befindet sich gegenüber der Sonne genau so weit unter dem Horizont, wie die Sonne darüber. Vom Flachland aus sieht man immer nur den Teil des Regenbogens, der über dem Horizont steht. Bei Sonnenuntergang zeigt sich also der Regenbogen als Halbkreis, bei steigender Sonne verschwindet immer mehr des Bogens unter dem Horizont. Steigt die Sonne über 40°, wird in der Ebene (anders als auf dem Berg) auch das oberste Segment des Regenbogens unsichtbar. Zum Sonnenhöchststand im Juni und Juli zeigt sich der Regenbogen deshalb nur am frühen Morgen oder späten Abend, im August wird die Sichtbarkeitsspanne deutlich länger.

„Aufgehender“ Regenbogen an einem Augustnachmittag.

Text und Fotos: Claudia Hinz

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Wie war das eigentlich mit den ersten Thermometern und den ersten Messungen?

Verfasst von am Juli 23, 2022

Ein Exkurs mit speziellem Blick auf das „kleine Florentiner“

von Michael Jung

Zweifellos gilt Galilei als einer der ersten Erfinder eines Thermometers, wenngleich er dazu Erkenntnisse der Ausdehnung von Flüssigkeiten bei Wärmezufuhr Archimedes nutzte. Der große Nachteil dieser Messgeräte, sie waren offen und der Einfluss eines sich verändernden Luftdrucks auf die Ausdehnung von Flüssigkeiten noch nicht bekannt.

Doch zwei bedeutende Herren erlernten später in Galileis Werkstätten das Handwerk zur Herstellung von Thermomtern und entwickelten den Bau der feinfühligen Instrumente enorm weiter. Sie konnten sich diese kostspielige, wissenschaftliche Arbeit leisten, denn es waren Ferdinand der II. – Großherzog der Toskana und sein Bruder Leopold aus dem Hause der Medicis, denen wir zahlreiche Entdeckungen in der Mathematik und Physik aber auch unsagbare Kunstschätze zu verdanken haben. Den Medicis und helfend auch Torricelli ist es zu verdanken, dass die ersten vollständig geschlossenen Thermometer hergestellt wurden und in Umlauf kamen. Es waren somit die ersten Thermometer, die unabhängig vom Luftdruck die Temperatur anzeigen konnten und gleichzeitig somit deutlich präzisere Werte lieferten.

Sie bauten ab 1646 (diese Jahreszahl ist nicht ganz verbrieft) an den Thermometern. Die Glasbläser Moriani und Almanni, die zu den besten Zunftmeistern ihrer Zeit zählten, konnten in den Werkstätten der Medicis hauchdünne Kapillare blasen und Emaille schmelzen.

Die Thermometer wurden mit Weingeist gefüllt und anfangs mit rotem Kermet gemischt, um die Skalen besser ablesen zu können Doch der Farbstoff schmierte und so wählte man wieder reinen Weingeist, auch wenn es schwieriger abzulesen war. Die Skaleneinteilung des 15cm großen Thermometers, das unten kugelförmig war, erfolgte in 50 Graden. Anfangs schwarze Emaillekugeln, für die bessere Ablesbarkeit aber jede Zehnte weiß. Später wurde dann blaue Emaille verwendet.

Fatal, von definiertem Siede- und Gefrierpunkt war noch nichts bekannt. Und so wurde einfach angenommen, dass die kälteste Möglichkeit eine Mischung aus Eis und Meersalz ist. Das entpricht etwa -21 Grad und wurde der Nullpunkt (unten). Die wärmste Temperatur wurde als Tierblut angenommen und entsprach 39 Grad, also etwas gerundet 40 Grad. Die Skala wurde dann weiter nach oben um zusätzliche zehn Punkte erweitert. In der Umrechnung heute kann man etwa 1 Gk mit knapp 1.5 Grad Celsius vergleichen, jedoch gab es teilweise nach unten große Abweichungen, weil die Kältemischungen nicht immer gleich waren. Die Maßeinheit Gk kommt der Ehrung Galileis („G“) zu Gute und das „k“ steht für das „kleine Florentiner“.

Bedeutsam war, dass nun mehrere dieser Thermometer an einem Ort mit einer Skaleneinteilung gebaut wurden und an 11 verschiedene Städte (davon sieben in Italien) verteilt wurden. Mit dabei waren neben den italienischen Städten Florenz als Zentrum und dem Kloster Vallombrosa (1000 Meter Höhe) die europäischen Städte Warschau, Paris, Innsbruck und Osnabrück. Häufig wurden Klöster ausgesucht, aber auch Forschungs- und Experimentiereinrichtungen.

Das Revolutionäre bestand nun darin, dass an allen Orten mindestens zwei Mal am Tag, in Italien alle 3-4 Stunden, jeweils zwei Thermometer eines in südlicher und eines in nördliche Richtung hängend, vergleichbare Werte erzielt wurden. Die Abenddämmerung galt in den Klöstern als nullte Stunde. Da aber permanente Verschiebungen von Sonnenauf- und Untergang stattfand, waren Mitternacht und Mittag immer zu anderen Zeiten. Das wurde dann aufwendig später umgerechnet und angepasst. Zusätzlich wurden aber neben der Temperatur auch Wettererscheinungen mit erfasst, wie Regen, Wind, Sturm, Hagel, extreme Sonne.

Wir datieren exakt den Aufzeichnungsbeginn mit dem 15.12.1654 und die Messreihe endet im Jahre 1670. Es handelt sich somit um die älteste Messreihe von Temperaturen in der Welt mit vergleichbaren Skalen. Zwischen Florenz und Vallombrosa ritten sogar täglich ein Reiterbote hin und her, um die aktuellen Werte auszutauschen. International ist aber schon kurz nach 1667 Schluss. Die Messreihen wurden veröffentlicht über die Accademia del Cimento in Florenz, dessen Leiter der Großherzog Ferdinand war.

Die Veröffentlichung war der Kirche, die seit Galilei eh ein Problem mit den Wissenschaften hatte, ein riesen Dorn im Auge. Zu mächtig und reich aber waren die Medicis, dass man es hätte früher verbieten können. So kam es zu einem traurigen Deal, der durchaus auch angelehnt in heutigen Tagen Bezüge finden könnte. Der Papst bietet dem Bruder Leopold einen Kardinalsposten an, den er nur bekommt, wenn Ferdinand seine Reihen und die Veröffentlichungen beendet. Raten Sie mal, was dann passierte…

Dennoch wurden in den beiden Orten Florenz und Vallombrosa die Messreihen bis 1670 auf intensives Drängen von Ferdinand (ohne Veröffentlichungen) fortgeführt und endeten abrupt, welch ein Wunder, mit seinem Tod 1670.

In den Folgejahren wurde die Thermometerherstellung permanent geändert und perfektioniert. Und so tauchen Namen wie Torricelli, Fahrenheit (Quecksilber) und Celsius mit neuen Materialien und Erkenntnissen auf. Experimentiert wurde mit allem was ging, wie Gasdruck, Metallausdehnungsmaterialien, meist aber doch mit Flüssigkeiten. Auch hier gab es skurile Versuche mit Rotwein, verdünnter und konzentrierter Salpertersäure, Leinsamenöl (Isaac Newton), reiner Alkohol. Viele bekannte und unbekannte Forscher und Gelehrte schrieben das Buch der Thermometer weiter, was auch zur Folge hatte, dass verschiedenste und schwer zu vergleichende Skalen entstanden.

Herausragend und genannt werden soll aber in diesem Zusammenhang Anders Celsius aus Schweden. Er definiert als erster Wissenschaftler den Schmelzpunkt des Eises und auch den Siedepunkt des Wassers auf seiner 100teiligen Skala, die zunächst „Schwedische Skala“, dann „Centigrade-Skala“ und jetzt in der uns bekannten „Celsius-Skala“ mündete. 1902 löste in Deutschland dann diese Skala die vorher meist verwendete Rèamur-Skale ab. 1948 wurde die Celsius-Skale als offizielle Einheit – SI-Einheit – international festgelegt.

Die Ablesung einer Temperatur auf einem analogen Thermometer, sei es aus Alkohol (rot, blau, weiß) oder aus Quecksilber war und ist immer auch eine Ehrerweisung an die guten alten Wissenschaftler und bietet definitiv mehr Freude als das Ablesen von heutigen digitalen Anzeigegeräte. Für Wetterfans ist ein analoges Thermometer einfach ein Muss und man hat daran definitiv auch länger Freude als an „Diggis“.

Quellen:

  • „Thermometer, Skalen und deren Väter“ R. Holland und G. Stöhr 2013
  • „Zeitzeichen“ Anne Preger WDR 2019
  • Bilder: Privat Michael Jung
Die „Freunde alter Wetterinstrumente“ ließen  50 „kleine Florentiner“ Thermometer nachbauen. Sie wurden in feinster Handarbeit von einem Meister in den Lauscher Glaswerken mundgeblasen und die Emaillekugeln in Handarbeit aufgetragen. Allein das Blasen der hauchdünnen Kapillare ist eine Meisterleistung, die heute nur noch wenige Glasbläser beherrschen. Das Thermometer ist wie sein Urvater mit klarem Weingeist gefüllt und alle 10 Skalenpunkte eine weiße Kugel gesetzt. Unterschied, es wurde auf die Skale Grad Celsius geeicht und der Gefrierpunkt, der damals noch nicht bekannt war, mit einem roten Strich gesetzt. Dieses Thermometer wurde an Mitglieder der „Freunde alter Wetterinstrumente“ in der ganzen Welt verteilt und sind eine absolute Rarität. Wenn Sie einmal in Florenz zu Besuch sein sollten, gehen Sie unbedingt ins „Museo Galileo“. Dort finden Sie eines der noch beiden Urväter. Foto: Michael Jung

2011 wurden anläßlich des zehnjährigen Bestehens der „Freunde alter Wetterinstrumente“ zu Ehren der wichtigsten Thermometergestalter und Namensgeber von Skalen des 18. Jahrhunderts in einer Auflage von 25 Stück dieses „Nurglas-Thermometer“ gefertigt. Das Besondere ist die verschiebbare Glasröhre, so dass eine Umrechnung nicht erfolgen muss. (Größe 18x15cm – Nr. 13 der Serie) Verewigt sind hier Kelvin (Irland), Celsius (Schweden), Fahrenheit (Polen), Rankine (Schottland), Delisle (Frankreich), Rømer (Dänemark), Florente Magnum (kleines Florentiner-Italien). Foto: Michael Jung

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Zero Order Glow an Regenstreifen

Verfasst von am Juni 30, 2022

Dieses Bild fotografierte heute Thomas Junghänel in Offenbach. Es zeigt glühend rote Regenstreifen, die links von der Sonne niedergehen und sehr ungewöhnlich wirken. Denn das Rot entsteht hier nicht in den Wolken, sondern im Regen selbst.

Wenn Regentropfen im Spiel sind, handelt es sich um eine Erscheinung aus der Regenbogenfamilie, dem sogenannten Zero Order Glow. Der Name bedeutet, dass es sich um einen Regenbogen nullter Ordnung handelt. Also das Licht wird innerhalb des Tropfens nicht einfach oder doppelt reflektiert, wie es beim Haupt- oder Nebenbogen der Fall ist, sondern das einfallende Licht durchwandert den Tropfen ohne Reflektion und verlässt ihn nur in abgelenkter Form. Deshalb gibt es keine kreisförmige Lichtkonzentration, sondern das Zero Order Glow erscheint bei Regen als diffuse leuchtende Fläche in Sonnenrichtung. Es unterscheidet sich vom Abendrot dadurch, dass nicht die Wolken rot werden, sondern der Regen selbst. Und wenn er wie in diesem Fall nur in schmalen „Streifen“ auftritt, ist auch nur dort da Rot zu sehen.

Auch wenn Zero Order Glow bei jeder Sonnenhöhe als diffuse gelbliche bis rötliche Scheibe um die Sonne sichtbar ist, meist zusammen mit einem Regenbogen auf der sonnenabgewandeten Seite, ist es bei tiefstehender Sonne am eindrucksvollsten, da es dann den Regen oft leuchtend rot erscheinen läßt.

Zero Order Glow in Offenbach. Foto: Thomas Junghänel

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Beobachtungshinweise Juni und Juli 2022

Verfasst von am Mai 29, 2022

Sommeranfang in der Meteorologie, Astronomie und Phänologie

Aber wann beginnt denn nun der Sommer? Am 1. Juni, wie bei den Meteorologen üblich, um den 21. Juni zur Sommersonnenwende, oder dann, wenn die Sommerlinde blüht? Das kommt ganz darauf an, ob wir den Frühlingsanfang meteorologisch, astronomisch oder phänologisch bestimmen.

Ursache für die astronomischen Jahreszeiten ist die Schrägstellung der Erdachse von 23,27°. Darum neigt sich unsere Nordhalbkugel während eines halben Jahres zur Sonne hin und wir erleben wärmere und lange Tage. Während der anderen Hälfte des Jahres neigt sich unsere Nordhalbkugel von der Sonne weg und es wird kühler und früher dunkel. Der astronomische Sommeranfang markiert mit der Sommersonnenwende den Tag, an dem die Sonne am längsten scheint.

Grafik: Horst Frank

Der meteorologische Sommeranfang wurde von der Weltorganisation für Meteorologie aus klimatologischen Gründen auf den 1. Juni festgelegt. Da der Sommer nun die kompletten Monate Juni bis August umfasst, werden so jahreszeitliche Statistiken erleichtert. Denn bei einer Auswertung der Sommerdaten auf astronomischer Grundlage würden im Vergleich zu den Monatsdaten schwer interpretierbare Überlappungen entstehen.

In der Phänologie werden die Jahreszeiten vom Pflanzenwachstum bestimmt. So beginnt der Vorfrühling, wenn die Kätzchen der Haselsträucher stäuben und die Schneeglöckchen blühen. Die Forsythie leitet den Erstfrühling ein und mit der Apfelblüte hält der Vollfrühling Einzug. Auch der Sommer wird in drei Abschnitte geteilt. So beginnt der Frühsommer mit der Holunderblüte, die Blüte der Sommerlinde eröffnet den Hochsommer und die ersten reifen Äpfel zeigen den Spätsommer an. Die Phänologischen Jahreszeiten sind also an kein festes Datum gebunden. Der phänologische Sommerbeginn ist nicht nur von Jahr zu Jahr unterschiedlich, sondern variiert auch regional sehr stark, denn der Vegetationsstand kann in tiefen Lagen um Wochen voraus sein als in Gebirgsregionen.

Singularitäten und Bauernregeln

Die Schafskälte ist eine Singularität, die mit fast 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen dem 10. und 20. Juni mit kühlem und wechselhaftem Wetter eintritt. Ursache der Schafskälte sind für diesen Zeitraum typische feucht-kalte Luftströme aus dem Nordwesten, die das Thermometer um fünf bis zehn Grad Celsius sinken und die namensgebenden frisch geschorenen Schafe frieren lassen.

Dauert das nasskalte Wetter über den 27. Juni an, so ist nach der Siebenschläferregel ein kühler verregneter Sommer zu erwarten. Man sollte seine Sommerprognose aber nicht auf diesen Tag festnageln, denn da diese Bauernregel schon deutlich vor der gregorianischen Kalenderreform von 1582 entstand, ist der heutige Siebenschläfertag eigentlich der 7. Juli. Und wirklich ist es oft so, dass sich Anfang Juli häufig die vom Jetstream abhängige Großwetterlage für den Sommer einstellt, welche sich üblicherweise bis Mitte August stabilisiert. Liegt der Jetstream im Norden, so werden Tiefdruckgebiete meist in Richtung Nordeuropa abgelenkt und Hochdruckgebiete dominieren das Wetter im südlichen Mitteleuropa, liegt er weiter südlich, so können Tiefs über Mitteleuropa hinwegziehen. Im kontinentalen Südostdeutschland trifft die Siebenschläferregel in acht von zehn Sommern zu, im maritim geprägten Norden erreicht sie immerhin noch eine Trefferquote von etwa 65 Prozent.

Atmosphärische Erscheinungen

Es gibt zwei Erscheinungen, welche fast ausschließlich im Juni und Juli beobachtbar sind – die Leuchtenden Nachtwolken und der Zirkumhorizontalbogen

Leuchtende Nachtwolken (NLC) sind silbrig schimmernde feinstrukturierte Wolken, welche Ende Mai bis Anfang August in der Mesopause in einer Höhe von circa 83 km entstehen. Sie sind normalerweise in der nautischen Dämmerung bei Sonnentiefen zwischen 6 und 16° am Nordwest- bis Nordosthorizont zu sehen. Aufgrund ihrer großen Höhe werden sie noch direkt angeleuchtet, während tiefe Wolken längst im Schatten liegen.

Hochreichende Leuchtende Nachtwolken im Erzgebirge. Foto: Claudia Hinz

Damit sich in solchen Höhen bei der sehr geringen Wasserdampf-Konzentrationen überhaupt Eiswolken bilden können, bedarf es sehr tiefe Temperaturen unter minus 140°C. Aufgrund der interhemisphärischen Zirkulation treten diese Temperaturen in den nördlichen Breiten nur zwischen Juni und August auf. Zudem sorgen im Sommer höhere Winde dafür, dass die Eisteilchen über größere Entfernungen transportiert werden. Die Lebensdauer einzelner Eispartikel dürfte in der Größenordnung einiger Stunden liegen. bis sie z.B. durch Absinken und Südwärtsverlagerung wieder sublimieren. Deshalb verändern sich die feinen Strukturen der Leuchtenden Nachtwolken ziemlich stark.

Im Norden sind Leuchtende Nachtwolken in den Sommermonaten fast in jeder zweiten Nacht zu sehen, nach Süden hin nimmt die Häufigkeit jedoch stark ab. Allerdings ist in den letzten Jahren eine Zunahme der Häufigkeit als auch einer Ausdehnung nach Süden zu beobachten, so dass selbst in den mittleren Breiten helle Süd-NLC beobachtbar waren.

Über die Warnliste des Arbeitskreises Meteore e.V. kann man sich über ein Auftreten informieren lassen, ebenso wird im NLC-Forum über Beobachtungsmöglichkeiten diskutiert sowie Sichtungen präsentiert und ausgewertet.

Der Zirkumhorizontalbogen gehört zu den circa 50 Haloarten, die durch Lichtbrechung oder -spiegelung an den Eiskristallen hoher Cirruswolken entstehen. Er ist allerdings die einzige Haloart, die nur im Sommer beobachtbar ist. Damit er als farbiges Band etwa 50° unterhalb der Sonne sichtbar werden kann, muss die Sonne mindestens 58° über den Horizont steigen. Im Süden ist dies zwischen Anfang Mai und Anfang August der Fall, im Norden nur um den Sonnenhöchststand im Juni. Allerdings steigt die Sonne selbst zum astronomischen Sommeranfang im Süden nicht höher als 66°, in der Mitte 63° und im Norden etwa 60°, bei 68° Sonnenhöhe erreicht der Zirkumhorizontalbogen aber erst seine maximale Helligkeit. Deshalb ist er in unseren Breiten leider nie in seiner vollen Pracht und Farbigkeit zu sehen. Wer allerdings Urlaub auf der Alpensüdseite oder noch südlicher verbringt, kann ihn bei optimalen Voraussetzungen in voller Brillanz bewundern. In Ländern nördlich des 55. Breitengrades (z.B. Schottland, Dänemark oder Moskau) kann der Zirkumhorizontalbogen übrigens gar nicht gesehen werden, da die Sonne nicht mehr hoch genug steigt. Damit ist dies eine der wenigen Haloerscheinungen, die nicht überall auf der Erde beobachtbar ist.

Zirkumhorizontalbogen am Wendelstein. Foto: Claudia Hinz

Astronomie

Charakteristisch für den sommerlichen Sternhimmel ist das Sommerdreieck, welches sich am Nordosthimmel erhebt. Es besteht aus drei Fixsternen, die jeweils unterschiedlichen Sternbildern zugeordnet sind. Im Uhrzeigersinn sind dies: Deneb im Sternbild Schwan, Wega in der Leier und Atair im Adler.

Zudem gibt es im Juni und Juli jeweils wieder einen sogenannten Supermond, der sich in der Vollmondphase nahe dem erdnächsten Punkt seiner elliptischen Umlaufbahn um die Erde befindet. Für eine Erdumrundung benötigt der Mond ca. 27 Tage, dabei schwankt die Entfernung wegen der elliptischen Umlaufbahn zwischen 356.400 und 406.700 Kilometern. Da Vollmond alle 29,5 Tage sei, falle der Abstand jeden Monat anders aus. Um als Supermond zu gelten, muss sich der Vollmond mindestens auf 367.600 Kilometer nähern. Der Vollmond am 14. Juni hat einen Abstand von ca. 357.435 Kilometer, am 13. Juli von ca. 357.418 Kilometer. Visuell entspricht übrigens der Unterschied vom erdfernsten zum erdnächsten Mond ungefähr dem Verhältnis eines 1 Euro zu einem 2 Euro-Stück.

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Beobachtungshinweise Mai 2022

Verfasst von am April 30, 2022

Es gibt einige meteorologische Erscheinungen, die in bestimmten Monaten zu beobachten sind. Diese möchten wir nun regelmäßig vorstellen.

Lostage / Bauernregeln

Zu den bekanntesten Lostagen im Mai gehören die Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia vom 11. bis 15. Mai. Bauernregeln wie „Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz“ und „Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie“ spielen auf die Nachtfröste an, die bis Mitte Mai immer wieder vorkommen können. Aus meteorologischer Sicht sind diese Aussagen gar nicht so unwahrscheinlich. Vor allem in Tallagen und Senken kann sich zu dieser Jahreszeit vor allem bei nächtlicher Ausstrahlung bei wolkenlosem Himmel oftmals noch Kaltluft sammeln, welche die jungen Obstblüten oft erfrieren lassen.

Die Bauernregel „Auf einen trockenen Mai folgt ein dürres Jahr“ hat vor allem über Süddeutschland eine hohe Trefferquote und bewahrheitet sich in 7 von 10 Jahren zu. In Westdeutschland nähert sich das Zutreffen eher dem Zufallsprinzip.

Morgendlicher Reif an frischen Baumblättern

Pollenkorona

Die Pollenkorona entsteht durch Lichtbeugung an den Blütenpollen und ist am besten bei klarem blauem Himmel als kleiner farbiger Kranz um die Sonne zu beobachten. Durch die große Blendwirkung der Sonne ist für die Beobachtung eine dunkle Sonnenbrille vonnöten, zudem sollte man die direkte „Sonnenscheibe“ unbedingt abdecken. Am einfachsten ist sie deshalb bei Sonnenuntergang beobachtbar, wenn die Blendwirkung nachlässt, oder seltener am Mond.

In den warmen Gebieten Deutschlands sind nicht selten ab Februar die ersten Pollenkoronen an Erlen- oder Birkenpollen sichtbar. Die schönsten und hellsten entstehen aber im Mai an den Pollen von Fichte und Kiefer. Durch Luftsäcke können sich diese lange in der Luft halten und werden bei leichtem Wind mitunter über 100km weggetragen. Trifft das Sonnenlicht auf die Pollen, wirken sie wie ein Hindernis, an dessen Rand das Licht in seine Spektralfarben aufgespalten wird. Es entsteht also ein Beugungsbild, dessen Aussehen von der Form der Pollen abhängt. Bei Fichten- und Kiefernpollen sind nicht rund und erzeugen deshalb an den Koronen charakteristische Knoten, durch welche man sie sehr sicher zuordnen kann.

Fichtenkorona mit charakteristischen Knoten

Mondfinsternis

Am Morgen des 16. Mai 2022 taucht der Vollmond in den Erdschatten ein und es gibt eine totale Mondfinsternis. Sehen können wir in Deutschland leider nur den Beginn, dann geht der Mond am Westhorizont unter. Der Eintritt in den Kernschatten beginnt gegen 04.30 Uhr MESZ (Daten variieren von Ort zu Ort), Beginn der totalen Phase ist ca. 05.30 Uhr. Zwischen 05.30 Uhr (NE) und 06.30 Uhr (SW) geht in Deutschland die Sonne auf, so daß der Westen auf jeden fall begünstigt ist.

Horizontnahe Mondfinsternisse können besonders von höheren Standpunkten aus betrachtet besonders eindrucksvoll sein, da der halbverfinsterte Mond am Horizont durch Refraktionseffekte stark verzerrt werden kann.

Mondfinsternis am 16.09.2019 in den Berchtesgadener Alpen

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Im Halo gefangen und von „Ufos“ entführt…

Verfasst von am April 26, 2022

von Michael Jung

Am 22.04.22 fand der erste Themenabend des Fachausschusses Amateurmeteorologie (AmMet) der DMG e.V. statt. Nach der Gründung des Ausschusses im Jahr 2019 und einem Wettertreffen im Zinnwald beim dortigen Verein sollten eigentlich weitere Veranstaltungen folgen, doch kleine Viren verhinderten dies über einen längeren Zeitraum.

Dann war die Idee geboren, mal etwas Online zu versuchen. Eingeladen wurden verschiedene Wetternetzwerke, Vereine, Foren und Wetterinteressierte. Zwischenzeitlich sind ja alle ziemlich „Digital-Foren-Profis“ geworden, so dass die Plattform Zoom herhalten sollte. Und vorab gesagt, jawohl, die Plattform hat uns nicht im Stich gelassen, wir hatten eine stabile Verbindung. Es gab über 60 Anmeldungen, letztlich lauschten über 40 Teilnehmer dem digitalen „Wetterbericht“.

Claudia Hinz aus dem Fachausschuss erklärte sich bereit zum spannenden Thema „Bergwetter“ einen Vortrag zu halten. Als Rahmen für den Vortrag wurden die Vorstellungen des „Wetternetzwerkes Sachsen“ und der „Ring europäischer Hobbymeteorologen e.V.“  geplant. Schließlich soll der Netzwerkarbeit – Verknüpfung Profis und Amateure – große Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Beginnend mit einigen einleitenden Worten stellte Norbert Märcz als Vorsitzender des Fachausschusses AmMet den jungen Bereich der DMG e.V. vor.

Thomas Junghähnel vom Wetternetzwerk-Sachsen erläuterte kurz die Entstehung des Netzwerkes und präsentierte mit Bildern den Aufbau und die Darstellung im Netz. Mehr als 250 Anmeldungen zählt das Netzwerk, weit über 100 Stationen unterschiedlichster Bauart senden permanent ihre Daten, die auf einer Karte und in Tabellenform visualisiert werden. Eine besondere Dienstleistung, man kann auch zusätzlich manuell Wetterdaten melden. Das Netzwerk ist stetig gewachsen und als eine der künftigen Aufgaben wird gesehen, die Seite auch multilingual zu gestalten.

Anschließend sprach Johann Siemens vom Ring der europäischen Hobbymeteorologen e.V. Bereits seit 1985 besteht der Verein und obwohl Vielen bis dahin unbekannt, gehört er sicherlich zu den Methusalems im Bereich der Amateurmeteorologie. Die Beziehungen reichen bis Großbritannien und eigentlich müssen sie sich umbenennen, denn eine Station aus New Jersey in den USA ist auch dabei. Schwerpunkte neben Wettermeldungen und der Austausch von Monatsstatistiken in der Zeitschrift Wetterfrosch sind zudem die Organisation von Wettertreffen und so nutzte Herr Siemens gleich die Gunst der Stunde, für das nächste Treffen im Mai 2022 in Schwarzenberg/Erzgebirge einzuladen.

Dann folgte der Höhepunkt des Abends – das Thema „Bergwetter“ präsentiert von Claudia Hinz. Viele Jahre arbeitete sie unter anderem auch auf dem Fichtelberg und wurde nicht nur dort mit grandiosen Bildern aus, über und an Bergen belohnt. Dass ihr Beruf auch gleichzeitig Berufung und Hobby, Spaß und Lebensfreude sind, konnte sie uns zeigen.

Erwartet haben wir einen Vortrag zum Thema Bergwetter, doch das wurde kein Vortrag, es wurde eine Bergreise. Mit phantastischen Bildern in toller Qualität und emotionalen Beschreibungen standen wir alle in wenigen Minuten mit auf den Bergen. Schauten von der Fichtelbergstation hinauf zu irisierenden Wolken und gleiteten mit wabernden Asperitaswolken über den Gipfel. Unbemerkt gelangten wir zum Wendelstein, weil uns „Ufos“ plötzlich entführten, allerdings wurden wir „wissenschaftlich nüchtern“ auf den Boden zurückgeholt, denn Claudia betonte, dass es sich nur um „Lenticularis-Wolken“ handelt, die trotzdem zu meinen Lieblingswolken gehören.

Nebenher gibt es auch einige Grafiken und Anmerkungen zu Föhn und speziellen Gebirgswetterlagen zu sehen, toll erklärt und verständlich aufbereitet. Und natürlich wartet auch der höchste Berg Deutschlands, die Zugspitze, mit tollen Himmelserscheinungen auf. Gut, dass sie immer eine Kamera dabei hat und neben tollen Fotos gleich noch mit erläutert, dass Elmsfeuer zwar etwas sehr Schönes aber nichts Außergewöhnliches sind. Kurze Videosequenzen lassen uns mit den Wolken den Berghang hinuntergleiten und bedrohliche Stimmungen erleben. Nicht nur Nebensonnen und Regenbögen sind vor ihr nicht sicher, bei spannender Wetterlage und irren Lichtverhältnissen werden auch Segelflieger von ihr (fotografisch) gefangen, was ihr doch glattweg ein Freiflug bescherte.

Dann versinken wir im Eisnebel und trotz eisiger Temperaturen genießt man die schönen Bilder am heimischen PC und würde lieber gern mit vor Ort frieren. Doch dafür bleibt keine Zeit, denn wir werden auf dem Berg komplett von tollen Halos gefangen. Und während ich noch darüber nachsinne, ob das der Ursprung von Heiligenscheinen ist, teilt Claudia ihr Entsetzen mit, dass doch tatsächlich Leute auf dem Foto nicht zum Halo sondern wegschauen, recht hat sie…

Eisnebelhalo um die Wetterwarte auf dem Fichtelberg/Erzgebirge (1214m). Foto: Claudia Hinz

Am Ende der Reise, bedauert sie, dass sie uns nicht sehen konnte, sondern nur ihren eigenen Bildschirm und somit nicht weiß, ob ihre Ausführungen auch „rübergekommen“ sind. Vielleicht hätte sie mal in den Chatverlauf sehen sollen, was es dort für Kommentare und „Wow`s“  gab? Doch sie konnte durchaus noch einige Dankeschöns audiovisuell entgegen nehmen. Ich war noch ein wenig sprachlos und wohl immer noch im Halo gefangen und sage daher gern jetzt noch einmal – DANKE.

Norbert Märcz beendete das Zoom-Meeting mit der Ankündigung einer Fortführung der Veranstaltung, da es ja noch viele spannende Wetterthemen gibt. Da freuen wir uns jetzt schon drauf.

Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist unter hier abrufbar.

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Online-Themenabend „Bergwetter“

Verfasst von am März 18, 2022

Am 22.04.2022 um 18:00 Uhr möchten wir alle Wetterinteressierten zum Online-Themenabend „Bergwetter“ einladen.

Programm

Nach Vorstellung des Fachausschuss Amateurmeteorologie durch den Vorsitzenden Norbert Maercz entführt Claudia Hinz (DWD) die Teilnehmer mit ihrem reich bebilderten Vortrag „Bergwetter“ auf verschiedene Berggipfel des Landes und beleuchtet die wichtigsten typischen Wettersituationen und deren Auswirkungen.

Zudem stellen sich zwei Wettergruppierungen vor:

Der Ring europäischer Hobbymeteorologen e.V. entstand 1986 aufgrund eigener Wetteraufzeichnungen von Hans-Martin Goede (Ansbach) und Wolfgang Stief (Traunstein), die sie mit verschiedenen Hobbymeteorologen austauschten. Um diese festzuhalten und zu analysieren, wurde die Zeitschrift „Laubfrosch“ gegründet. Aus dem anfänglich genannten „Ring deutscher Nachwuchs-Meteorologen“ wurde Anfang der 1990er durch den Zulauf zahlreicher Mitglieder aller Altersgruppen der Ring europäischer Hobby-Meteorologen, seit 1998 ist er ein e.V.. Neben der Erfassung von Wetterdaten gemäß der Norm der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und Auswertung der Daten gibt es alle drei Jahre ein Treffen, die von Vereinsmitgliedern an unterschiedlichen Orten organisiert werden.

Das Wetternetz Sachsen entstand aus der Idee heraus, der stetig wachsenden Anzahl privater Wetterstationen in Sachsen gerecht zu werden. Viele Stationsbetreiber sendeten bereits ihre Daten an deutschlandweite Messnetze, doch oft gab es keine regionalen Kartenansichten und die Stationsdichte wurde immer größer. Aus diesem Grund sollte das im Juni 2010 ins Leben gerufene Messnetz gezielt Aufschluss über die regionale Wettersituation in Sachsen geben. Es werden schnell und einfach die wichtigsten Wetterelemente visualisiert. Die teilweise großen regionalen Unterschiede des Wetters können so auf einem Blick übersichtlich dargestellt werden.

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