Sektion Amateurmeteorologie

Veranstaltungen

Online-Themenabend „Hochwasser“

Verfasst von am September 30, 2022

Am 4. Oktober 2022 um 19:00 Uhr möchten wir alle Wetterinteressierten zum Online-Themenabend „Hochwasser“ einladen.

Programm

Nach einem Vortrag von Norbert Maercz zum Thema:

„Das Jahrhunderthochwasser – 20 Jahre Elbe-Flut“ – ein Rückblick der Katastrophe

stellt Bastian Rießling das Wetternetz Hagen vor und berichtet zudem von der verheerenden Flut 2021 im Ahrtal.

Das Wetternetz-Hagen ist ein Verbund aus meteorologischen Messstationen im Hagener Stadtgebiet. Es wurde gegründet, da es in Hagen keine amtliche Wetterstation, die meteorologische Parameter wie Luftemperatur, Luftfeuchte, Niederschlag, Windgeschwindigkeit, Windrichtung und Sonnenscheindauer erfasst. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat seine Wetterstation in Hagen-Fley im Jahr 2007 im Zuge einer Messnetzumstrukturierung geschlossen. Derzeit geben 15 über die Stadt verteilte private Wetterstationen einen interessanten Überblick über das Stadtklima bebauter als auch unbebauter Gebiete und den verschiedenen Höhenlagen von 86 bis 438 m ü.NN.

Anmeldung (zum Erhalt der Zugangsdaten)

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20 Jahre deutschlandweiter Niederschlagsrekord in Zinnwald-Georgenfeld

Verfasst von am August 22, 2022

von Claudia Hinz und Norbert Märcz

20 Jahre ist es her, als am 12. August 2002 die damals noch bemannte Wetterstation Zinnwald-Georgenfeld am Kamm des Osterzgebirges mit einem offiziellen 24-Stunden-Meldung von 312 Liter pro Quadratmeter nicht nur Entsetzen bei den Meteorologen und Verantwortlichen auslösten, sondern auch einen neuen Deutschlandrekord aufstellte. In der Zeitspanne von 5:00 Uhr MESZ bis zum Folgetag waren es in 24 Stunden sogar 352,7mm!

20 Jahre her, als die Sturzfluten von Müglitz, Weißeritz und anderen Gebirgsflüssen gesamte Ortschaften quasi wegspülten, tausenden Menschen ihr Zuhause nahmen und allein in Sachsen 21 Todesopfer und mehr als 100 Verletzte forderte. 20 Jahre sind vergangen, seit die Elbe im weiteren Verlauf allmählich anschwoll und die Flutwelle einen Ort nach dem anderen überflutete. Auch, wenn die Städte und die Infrastruktur inzwischen wieder aufgebaut wurden, so hat sich das Hochwasser tief im kollektiven Gedächtnis der Betroffenen verankert und das Ahrhochwasser im letzten Jahr hat zahlreiche Erinnerungen aufgefrischt.

Niederschlagssteifen der Wetterstation Zinnwald-Georgenfeld vom 12.08.2012. Quelle: DWD

Wettersituation

Bereits im Juli häuften sich Wetterkapriolen: Stürme über Südfrankreich und den Pyrenäen, schwerer Dauerregen und Hagel in Italien, mehrere Unwetter in Tschechien und Polen, Überschwemmungen am Schwarzen Meer, Dauerregen auf Mallorca – und auch über Deutschland hielt sich wochenlang ein Höhentrog, der immer wieder von Tiefdruckgebieten gespeist wurde. Deutschland lag oft genau an der Luftmassengrenze, so dass sich zum Teil ergiebige Schauer über dem Land entluden.

Die Böden waren bereits gesättigt, als das Mittelmeertief (Vb) ILSE mit viel Feuchtigkeit im Gepäck die Alpen überquerte und nach Nordosten zog und in Ostbayern und Tschechien für erste Hochwasser sorgte. In den Frühstunden des 12.08.2002 erreichte der Kern des Tiefs schließlich Sachsen und verstärkte sich nochmals erheblich. Eine Nordwestströmung in der Höhe drückte die mit Flüssigwasser gesättigten Luftmassen gegen die Nordseiten der Mittelgebirge, so dass durch die damit verbundene erzwungene Hebung schwere Regenfälle auf breiter Front ausgelöst wurden. Zudem wurde das Tief über Ost- und auch über Westeuropa von kräftigen Hochdruckgebieten flankiert. Es wurde quasi stationär, drehte sich genau über dem Osterzgebirge ein und regnete sich hier bis zum Ende seines Lebenszyklus komplett aus. Vor allem nördlich von Zinnwald fielen verbreitet 200 mm Niederschlag, z.B. Talsperre Klingenberg: 280,6mm, Lauenstein: 267,3mm, Altenberg-Schellerhau: 251,1mm oder Glashütte: 237,2mm. Und wie schon erwähnt in Zinnwald am Erzgebirgskamm, wo mit 312,0 mm der bisherige deutsche Rekord (216,2 mm am 22.08.2005 in Balderschwang) deutlich gebrochen wurde.

Wettersituation, per Hand von Roland Baer (ehemals DWD) gezeichnet und dem Wetterverein Zinnwald zur Gedenkfeier überreicht

Sturzfluten

All diese Wassermassen ergossen sich in die Müglitz und Weißeritz und verwandelten die romantischen Bergbäche in reißende Sturzfluten, die alles mit sich rissen, was sich in den Weg stellte. Es wurden hunderte Häuser zerstört und das Mobiliar zusammen mit tausenden Bäumen, Autos, Brücken und Gleisen mit ins Tal gerissen. Auch Menschen, 11 verloren allein an der Müglitz ihr Leben. Das „Treibgut“ wurde zusammen mit Tonnen von Schlamm in die tiefer gelegenen Ortschaften gespült und Straßen zerstört oder ganze Ortschaften abgeschnitten. Zudem fiel in einigen Gegenden Strom und Telefon aus. Viele Menschen mussten mit Schlauchbooten oder dem Hubschrauber aus den Wassermassen gerettet werden. Unvergesslich bleiben hier sicherlich die Bilder von Weesenstein, wo sich vier Menschen auf eine letzte von ihrem Haus übrig gebliebenen Mauer retteten und 12 Stunden ausharrten, bis sie in einer flugtechnischen Meisterleistung von einer Hubschrauber-Crew gerettet werden konnten. Auch das in Fließrichtung dahinterliegende Doppelhaus wurde zur Hälfte weggerissen. Beide Häuser wurden später komplett abgerissen, um der Müglitz mehr Platz zu geben.

Auch die Weißeritz bleibt im Gedächtnis, sie brachte nicht nur die Talsperre Malter zum Überlaufen und überflutete im weiteren Verlauf Freital, sie suchte sich auch in Dresden wieder ihr altes Flussbett durch die Weißeritzstraße und überspülte unter anderem den Hauptbahnhof und die historische Altstadt mit der Semperoper, der Gemäldegalerie im Zwinger und dem Landtag. Auch die Universitätsklinik musste evakuiert werden.

Elbehochwasser

All diese Wassermassen sammelten sich zusammen mit der aus dem Riesengebirge kommenden, schon gut gefüllten Elbe, die am 17. August 2002 zwischen 6 und 8 Uhr am Pegel Dresden einen Wasserstand von 9,40 Meter erreichte – der höchste jemals gemessene Wasserstand im Stadtgebiet. Sicher kam dieser auch dadurch zustande, weil die letzten großen Hochwasser der Jahre 1845 und 1890 längst vergessen waren und seitdem Flussläufe begradigt, Flächen versiegelt, Flutwiesen bebaut oder wasserspeichernde Wälder abgeholzt wurden.

Die Welle bewegte sich entlang der Elbe, Staustufen liefen über, die Pegel der Elbe und ihrer Nebenflüsse stiegen sprunghaft an und ganze Landstriche aber auch Städte wie Pirna, Meißen oder Grimma wurden überflutet.

Von Sachsen rollt die Flutwelle über Sachsen-Anhalt und Brandenburg Richtung Norden. Behörden und Anwohner wurden alarmiert und konnten sich zumindest auf das Schlimmste vorbereiten. Überall wurden Sandsäcke aufgetürmt, Türen und Fenster mit Holzplatten zugenagelt und Wertgegenstände in die oberen Etagen gebracht. In den Elbauen wurden Campingplätze geräumt und das Vieh von den Weiden getrieben.

Entlang der Elbe (ohne Nebenflüsse) kam es zu 21 Deichbrüchen und nachfolgender Überschwemmung einer Fläche von mehr als 300 km². Insgesamt gab es 21 Todesopfer und mehr als 100 Verletzte. Über 25000 Wohngebäude, ca. 800 km Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen mit hunderten Brücken wurden alleine in Sachsen durch die Flut beschädigt. Bis zum Hochwasser im Ahrtal galt das Elbehochwasser als die teuerste Naturkatastrophe in der deutschen Geschichte.

Gedenkveranstaltung in Zinnwald

Zurück zu Zinnwald, wo nicht nur der Niederschlagsrekord an dieses Ereignis erinnert, sondern auch eine vom Wetterverein Zinnwald organisierte Gedenkveranstaltung. Am Jahrestag fanden sich etwa 250 Interessierte, darunter auch zahlreiche Mitglieder des Gachausschusses Amateurmeteorologie, in einem großen Festzelt ein und lauschten der auch ohne Vorkenntnisse nacherlebbaren meteorologischen Analyse des DWD-Mitarbeiters Thomas Hein, interessanten Augenzeugenberichten und ein Bericht über das, was inzwischen zum Schutz vor ähnlichen Hochwassern seitens der Talsperrenverwaltung getan wurde.

So berichtete Jochen Löbel, der langjährige Chef des Hotels Lugsteinhof, dass sich selbst am 874m hoch gelegenen Lugsteinhof ein 3 Meter tiefer See gebildet hatte, der schließlich ein Fenster eindrückte und den Keller und das Erdgeschoss flutete. Mit Baggern wurde versucht, das Wasser abzuleiten und ein Schneepflug versuchte, die auf die Straße gespülten Steine zu beseitigen. Das Handynetz und der Strom war ausgefallen und der Ort war nur noch über Rehefeld anfahrbar, wo es noch die einzig unzerstörte Brücke gab. Da die Gäste aus dem Lugsteinhof abgereist waren, wurde das Hotel zur Einsatzzentrale für Zoll und Bundesgrenzschutz umfunktioniert. Gäste konnten erst wieder im Oktober empfangen werden, da die Straßen so lange gesperrt waren.

Nach einer kleinen Pause, die von den Gästen zum Kaffee- und Kuchenholen genutzt wurde, berichtete die dankenswerterweise kurzfristig eingesprungene Frau Drewlow von der Landestalsperrenverwaltung über die bisher umgesetzten Maßnahmen zum Hochwasserschutz und über die Verkürzung der Vorwarnzeit. Mehr als drei Milliarden Euro hat der Freistaat Sachsen seit 2002 in den Hochwasserschutz investiert, die Zahl der Hochwasserrückhaltebecken ist inzwischen auf 24 gestiegen und es wurde auf 750 Kilometer Länge Hochwasserschutzanlagen gebaut. Zudem sind alle aktuellen Pegelstände, Durchflüsse, Hochwasserwarnungen und -vorhersagen frei im Internet abrufbar. Dennoch – einen hundertprozentigen Hochwasserschutz wird es nie geben und jeder, der an einem Fluss lebt oder dort Eigentum hat, sollte sich seiner Gefährdung bewusst sein.

In Kipsdorf direkt an der Roten Weißeritz erlebte Jürgen Hebert das Hochwasser und dokumentierte es in zahlreichen Fotos und Videoschnipseln, welche sicher jeden im Raum emotional packten. Sie zeigten, wie das Wasser höher und höher stieg und immer mehr Bäume und Steine in seinen Garten geschwemmt wurden. Das Sichern der Häuser musste schließlich aufgegeben werden und alle Menschen wurden gegen 21 Uhr evakuiert. Nur das Nötigste konnte mitgenommen werden, so wurden kurzerhand die zwei Hunde eingepackt und die Katzen schweren Herzens zurückgelassen und auf die berühmten sieben Leben gehofft (die sie zum Glück auch hatten). Nach der Rückkehr war nicht nur der Keller geflutet und es gab große Schäden am Haus, sondern es fehlten Trinkwasser, Strom, Handynetz und Brücken. Ein Zugang ging nur bis Bärenfels, der Rest musste zu Fuß zurückgelegt werden, denn die Straßen waren wegen umgestürzter Bäume und riesigen Unterspülungen und Bruchstellen unpassierbar. Die Erstversorgung erfolgte über Hubschrauber. Zudem war das gesamte Flussbett voller Holz und anderer Dinge (Öltanks, Mopeds…). Und dennoch … alle Menschen hielten zusammen und halfen sich gegenseitig. Sie krempelten einfach die Ärmel hoch und packten an, vielleicht auch deshalb, um nicht darüber nachdenken zu müssen.

Jürgen Herbert berichtete mit eindrucksvollen Bildern von der Sturzflut an der Roten Weißeritz. Foto: Andre Dobersch

Falk Wagner war als Mitglied des Katastrophenschutzes der DRK des Kreisverbandes Freital im Einsatz und berichtete über seine Arbeiten am Hubschrauberlandeplatz Dippoldiswalde. Er half beim Beladen unzähliger Sandsäcke, koordinierte Rettungsflüge zur Bergung von Personen, die Verlegung von Intensiv-Patienten von Dippoldiswalde nach Leipzig und baute die Kommunikation in der Notunterkunft im Berufsschulzentrum Freital auf. Später war er an den Aufräumarbeiten im Raum Freital beteiligt und präsentierte kaum vorstellbare Fotos und Geschichten über die Zerstörungen in den Flutgebieten.

Es war eine informative, aber auch emotionale Veranstaltung und viele der Anwesenden wussten eigene Geschichten zu erzählen. Die Regenröhren des Wetterwanderwegs rund um den Lugstein erinnern an dieses Rekordereignis und hält auch nach diesem runden Jahrestag die Erinnerung an dieses Flutereignis wach.

Norbert Märcz präsentiert die Zinnwalder Regenröhren, bei denen der Rekordwert (letzte Röhre) im Vergleich zu den mittleren Monatsniederschlägen sichtbar gemacht wird.

Quellen:

  • B. Rudolf und J. Rapp: Das Jahrhunderthochwasser der Elbe, Abdruck aus Klimastatusbericht 2002, DWD Offenbach 2003: https://www.dwd.de/DE/leistungen/wzn/publikationen/Elbehochwasser.pdf
  • Pressemitteilung 10.3.2003 der Münchner Rückversicherung: „Naturkatastrophen 2002“
  • Starkniederschläge in Sachsen im August 2002, Zusammengestellt von Uwe Fritzschner (DWD/BI) und Gerhard Lux (DWD/PS), Deutscher Wetterdienst Offenbach, Oktober 2002: https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/begriffe/V/Vb-Wetterlage_pdf.pdf
  • Jahrhundertflut in Sachsen. Eine Bildchronik der Hochwasserkatastrophe 2002, Dresdner Druck- u. Verlagshaus, 2002
  • Die Flut. Die Hochwasserkatastrophe im August 2002. Eine Dokumentation., Chemnitzer Verlag, 2002
  • Die Jahrhundertflut – Bilder einer Katastrophe, Verlag: Dresdner Neueste Nachrichten, Oktober 2002
  • Heimat in Not – Bilder und Schicksale der Flut, SUPERillu Special, August 2002
  • Vorträge der Referenten

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Im Halo gefangen und von „Ufos“ entführt…

Verfasst von am April 26, 2022

von Michael Jung

Am 22.04.22 fand der erste Themenabend des Fachausschusses Amateurmeteorologie (AmMet) der DMG e.V. statt. Nach der Gründung des Ausschusses im Jahr 2019 und einem Wettertreffen im Zinnwald beim dortigen Verein sollten eigentlich weitere Veranstaltungen folgen, doch kleine Viren verhinderten dies über einen längeren Zeitraum.

Dann war die Idee geboren, mal etwas Online zu versuchen. Eingeladen wurden verschiedene Wetternetzwerke, Vereine, Foren und Wetterinteressierte. Zwischenzeitlich sind ja alle ziemlich „Digital-Foren-Profis“ geworden, so dass die Plattform Zoom herhalten sollte. Und vorab gesagt, jawohl, die Plattform hat uns nicht im Stich gelassen, wir hatten eine stabile Verbindung. Es gab über 60 Anmeldungen, letztlich lauschten über 40 Teilnehmer dem digitalen „Wetterbericht“.

Claudia Hinz aus dem Fachausschuss erklärte sich bereit zum spannenden Thema „Bergwetter“ einen Vortrag zu halten. Als Rahmen für den Vortrag wurden die Vorstellungen des „Wetternetzwerkes Sachsen“ und der „Ring europäischer Hobbymeteorologen e.V.“  geplant. Schließlich soll der Netzwerkarbeit – Verknüpfung Profis und Amateure – große Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Beginnend mit einigen einleitenden Worten stellte Norbert Märcz als Vorsitzender des Fachausschusses AmMet den jungen Bereich der DMG e.V. vor.

Thomas Junghähnel vom Wetternetzwerk-Sachsen erläuterte kurz die Entstehung des Netzwerkes und präsentierte mit Bildern den Aufbau und die Darstellung im Netz. Mehr als 250 Anmeldungen zählt das Netzwerk, weit über 100 Stationen unterschiedlichster Bauart senden permanent ihre Daten, die auf einer Karte und in Tabellenform visualisiert werden. Eine besondere Dienstleistung, man kann auch zusätzlich manuell Wetterdaten melden. Das Netzwerk ist stetig gewachsen und als eine der künftigen Aufgaben wird gesehen, die Seite auch multilingual zu gestalten.

Anschließend sprach Johann Siemens vom Ring der europäischen Hobbymeteorologen e.V. Bereits seit 1985 besteht der Verein und obwohl Vielen bis dahin unbekannt, gehört er sicherlich zu den Methusalems im Bereich der Amateurmeteorologie. Die Beziehungen reichen bis Großbritannien und eigentlich müssen sie sich umbenennen, denn eine Station aus New Jersey in den USA ist auch dabei. Schwerpunkte neben Wettermeldungen und der Austausch von Monatsstatistiken in der Zeitschrift Wetterfrosch sind zudem die Organisation von Wettertreffen und so nutzte Herr Siemens gleich die Gunst der Stunde, für das nächste Treffen im Mai 2022 in Schwarzenberg/Erzgebirge einzuladen.

Dann folgte der Höhepunkt des Abends – das Thema „Bergwetter“ präsentiert von Claudia Hinz. Viele Jahre arbeitete sie unter anderem auch auf dem Fichtelberg und wurde nicht nur dort mit grandiosen Bildern aus, über und an Bergen belohnt. Dass ihr Beruf auch gleichzeitig Berufung und Hobby, Spaß und Lebensfreude sind, konnte sie uns zeigen.

Erwartet haben wir einen Vortrag zum Thema Bergwetter, doch das wurde kein Vortrag, es wurde eine Bergreise. Mit phantastischen Bildern in toller Qualität und emotionalen Beschreibungen standen wir alle in wenigen Minuten mit auf den Bergen. Schauten von der Fichtelbergstation hinauf zu irisierenden Wolken und gleiteten mit wabernden Asperitaswolken über den Gipfel. Unbemerkt gelangten wir zum Wendelstein, weil uns „Ufos“ plötzlich entführten, allerdings wurden wir „wissenschaftlich nüchtern“ auf den Boden zurückgeholt, denn Claudia betonte, dass es sich nur um „Lenticularis-Wolken“ handelt, die trotzdem zu meinen Lieblingswolken gehören.

Nebenher gibt es auch einige Grafiken und Anmerkungen zu Föhn und speziellen Gebirgswetterlagen zu sehen, toll erklärt und verständlich aufbereitet. Und natürlich wartet auch der höchste Berg Deutschlands, die Zugspitze, mit tollen Himmelserscheinungen auf. Gut, dass sie immer eine Kamera dabei hat und neben tollen Fotos gleich noch mit erläutert, dass Elmsfeuer zwar etwas sehr Schönes aber nichts Außergewöhnliches sind. Kurze Videosequenzen lassen uns mit den Wolken den Berghang hinuntergleiten und bedrohliche Stimmungen erleben. Nicht nur Nebensonnen und Regenbögen sind vor ihr nicht sicher, bei spannender Wetterlage und irren Lichtverhältnissen werden auch Segelflieger von ihr (fotografisch) gefangen, was ihr doch glattweg ein Freiflug bescherte.

Dann versinken wir im Eisnebel und trotz eisiger Temperaturen genießt man die schönen Bilder am heimischen PC und würde lieber gern mit vor Ort frieren. Doch dafür bleibt keine Zeit, denn wir werden auf dem Berg komplett von tollen Halos gefangen. Und während ich noch darüber nachsinne, ob das der Ursprung von Heiligenscheinen ist, teilt Claudia ihr Entsetzen mit, dass doch tatsächlich Leute auf dem Foto nicht zum Halo sondern wegschauen, recht hat sie…

Eisnebelhalo um die Wetterwarte auf dem Fichtelberg/Erzgebirge (1214m). Foto: Claudia Hinz

Am Ende der Reise, bedauert sie, dass sie uns nicht sehen konnte, sondern nur ihren eigenen Bildschirm und somit nicht weiß, ob ihre Ausführungen auch „rübergekommen“ sind. Vielleicht hätte sie mal in den Chatverlauf sehen sollen, was es dort für Kommentare und „Wow`s“  gab? Doch sie konnte durchaus noch einige Dankeschöns audiovisuell entgegen nehmen. Ich war noch ein wenig sprachlos und wohl immer noch im Halo gefangen und sage daher gern jetzt noch einmal – DANKE.

Norbert Märcz beendete das Zoom-Meeting mit der Ankündigung einer Fortführung der Veranstaltung, da es ja noch viele spannende Wetterthemen gibt. Da freuen wir uns jetzt schon drauf.

Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist unter hier abrufbar.

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Wettertreffen in Zinnwald

Verfasst von am Oktober 5, 2019
Die Veranstalter Silvio Wandel vom Wetternetz-Sachsen (links) und der Vorsitzende des Wettervereins Zinnwald Norbert Maercz (rechts) mit dem MDR-Wettermoderator Thomas Globig (Mitte)

Am 14. September lud Silvio Wandel vom Wetternetz Sachsen die Beobachter im Wetternetz zu einem Treffen in Zinnwald-Georgenfeld ein. Das im Juni 2010 ins Leben gerufene Messnetz entstand aus der Idee heraus, die Daten der stetig wachsenden Anzahl privater Wetterstationen in Sachsen auf einer Plattform zu bündeln, aufzubereiten und zu visualisieren um damit einen besseren Überblick über die regionale Wettersituation zu geben. Inzwischen melden fast 130 Beobachter regelmäßig ihre Messdaten. Etwa 30 davon nutzten die Chance, sich bei einer vom Wetterverein Zinnwald mitorganisierten Zusammenkunft auszutauschen. Ganztägig dabei war als erster Überraschungsgast Thomas Globig vom MDR-Wetter, welcher geduldig zahlreiche Fragen beantwortete und ansonsten sehr sympathisch einfach einer von uns war.

Nach der Begrüßung im Lugsteinhof mit Vorstellung des Wettervereins und des neu gegründeten Fachausschuss Amateurmeteorologie folgte eine Wanderung über den vom Verein errichteten Wetterwanderweg, auf dem speziell das neueste Exponat, die erst kürzlich im Ortsteil Zinnwald errichtete Sonnenuhr großen Anklang fand.

Nach dem Mittag wurde als zweiter Überraschungsgast Jörg Kachelmann begrüßt, der zusammen mit dem Entwicklungschef von Kachelmann Group Janek Zimmer ca. eine Stunde über die Entstehung seiner umfangreichen Wetterseite und über zukünftige Pläne zum Aufbau eines neuen Mess- und Beobachtungsnetzes berichtete. Er stellte sich zudem zahlreichen Fragen des interessierten Publikums, bevor beide wieder nach Leipzig aufbrachen. Anschließend gab Thomas Globig einige interessante Denkansätze zur derzeitigen Klimapolitik und Medienhysterie, die nicht selten weit von gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen entfernt geführt wird.

Nach stärkendem Kaffee entführte Claudia Hinz die Anwesenden mit einer umfangreichen Fotoshow auf verschiedene Berge, wo sie als Wetterbeobachterin dem Wetter oft ganz nah war und nicht nur Böenwalzen in die „Arcus„augen blickte. Immer fasziniert von Gewittern, ungewöhnlichen Wolken, optischen Erscheinungen, Föhnstürmen oder Wolkenmeer zeigte sie für „Flachlandbeobachter“ kaum zu erlebende Wetterphänomene in Bild und Film.

Nach dem vom Wetterverein gesponserten Grillen präsentierte Vereinschef Norbert Maercz eine unterhaltsame informative Wettershow, bei der alle einbezogen wurden. Gute Schätzungen von Mittel- und Extremwerten aus der fast 50-jährigen Zinnwalder Wetterstatistik wurden mit kleinen Preisen wie Thermometer, Zollstock oder hochprozentigen Küstennebel belohnt.

Insgesamt war es ein sehr gelungenes, abwechslungsreiches und inspirierendes Treffen mit guter Organisation und tollen Leuten, von dem es sicherlich 2020 mit dem anstehenden 10-jährigen Jubiläum des Wetternetz Sachsens eine Neuauflage gibt.

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Gründung und Vorstellung des Fachausschusses Amateurmeteorologie

Verfasst von am Oktober 4, 2019
Gründungsmitglieder des Fachausschusses Amateurmeteorologie,
v.l.n.r. Norbert Maercz, Dr. Stephanie Hänsel, Thomas Junghänel, Felix Dietzsch, Claudia Hinz, Wolfgang Hinz, Michael Jung, Silvio Wandel, Falk Böttcher

Am 03.05.2019 fanden sich in der DWD-Niederlassung Leipzig neun WissenschaftlerInnen und HobbymeteorologenInnen zusammen, um die erste und konstituierende Sitzung des neuen DMG-Fachausschuss Amateurmeteorologie (FA AmMet) zu begehen. Dieser Fachausschuss soll eine Schnittstelle zwischen Profis und Amateuren auf dem Gebiet der Meteorologie bilden, eine Plattform für meteorologische Bildung und zur Vernetzung für interessierte Laien sein und als Ansprechpartner für das Thema „Bürgerwissenschaften (Citizen Science)“ fungieren.

Nach Vorstellung und Verkündung der Tagesordnung berichtete der bis dahin kommissarische Vorsitzende Thomas Junghänel über den Hergang von der ersten Initiative im Jahr 2017 bis hin zum Beschluss der Einrichtung eines FA Amateurmeteorologie im Jahr 2018 durch das Präsidium.

Bereits 2017 formte sich eine Initiative aus DMG-Mitgliedern, um dem Thema Amateurmeteorologie innerhalb der DMG mehr Gewicht zu geben. Bei einer ersten Veranstaltung am 25.10.2018 der Sektion Mitteldeutschland bekamen HobbymeteorologenInnen die Möglichkeit, von ihren amateurmeteorologischen Tätigkeiten zu berichten. Dabei stellten Silvio Wandel (Wetternetz Sachsen), Norbert Märcz (Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld e.V.) und Markus Weggässer (Thüringer Storm Chaser e.V.) ihre Aktivitäten vor. Ein ausführlicher Bericht ist in den DMG-Mitteilungen 01/2019 zu finden. Eine zweite Veranstaltung folgte am 20.11.2018 gemeinsam mit der Sektion Norddeutschland in Hamburg, bei welcher Niko Renkosik (Schleswig-Holstein-Netz) und Peter von Söhnen (Skywarn Deutschland e.V.) ihr Betätigungsfeld präsentierten.

Da beide Veranstaltungen gut besucht waren, wurden sie als Erfolg gewertet und zeigten, dass diese Plattform sich für einen ersten Gedankenaustausch zwischen DMG und AmateurmeteorologenInnen gut bewährt. Aus diesem Grund sind weitere  Veranstaltungen mit den übrigen Sektionen in Planung.

In seinem Bericht vom 10.10.2018 informierte der Beauftragte für Amateurmeteorologie den Vorstand zum aktuellen Sachstand der Amateurmeteorologie speziell in Deutschland, aber auch in Europa und den USA, und empfahl eine vertiefte Behandlung des Themas „Amateurmeteorologie“ in einem Fachausschuss (FA).

Mit der konstituierenden Sitzung nimmt der FA nun offiziell seine Arbeit auf. Durch Wahl wurden einstimmig Felix Dietzsch als Vorsitzender und Silvio Wandel als Stellvertreter benannt. Felix Dietzsch ist Meteorologe (M.Sc.) beim Deutschen Wetterdienst und vom Hobby zum Beruf gekommen. Er ist in der Hobby-Community über diverse Foren und dem Wetterturnier, aber auch über ehrenamtliche Unwetterbeobachtung (Skywarn Deutschland e.V., Thüringer Storm Chaser e.V.) gut vernetzt. Silvio Wandel ist studierter Maschinenbauer (Dipl.-Ing.) und ein sehr engagierter Hobby-Meteorologe. Er betreibt unter anderem ehrenamtlich das Amateurmessnetz „Wetternetz Sachsen“ und bietet damit vor allem den mitteldeutschen HobbymeteorologenInnen eine Plattform zum Austausch. Zudem ist er in der Region ebenfalls ehrenamtlich für Skywarn Deutschland e.V. aktiv.

Zusammen mit dem neuen Vorstand wurden die Ziele des Fachausschusses formuliert und Pläne geschmiedet, wie diese Vorhaben bestmöglich umgesetzt werden können. So wird auf dieser Unterseite der DMG-Homepage eine Informationsplattform mit Fortbildungsmaterial aufgebaut. Außerdem werden AmateurmeteorologenInnen eingeladen, eigene Beiträge in den DMG-Mitteilungen zu veröffentlichen. Es werden weitere regionale Informationsveranstaltungen „Amateurmeteorologie in Deutschland“ angestrebt und auch auf anderen Veranstaltungen wie dem Tag der offenen Tür am 25.05.2019 in der DWD-Niederlassung Leipzig stellte sich der Fachausschuss vor und informierte in einem Flyer über seine Arbeit. Eine Fachtagung für Amateure mit Vorträgen und regem Informationsaustausch im Frühsommer 2020 ist das nächste große Vorhaben.

Der Vorstand des FA lädt alle interessierten DMG-Mitglieder ein, sich an der Arbeit des FA „Amateurmeteorologie“ zu beteiligen. Bitte senden Sie dazu einfach eine E-Mail mit Ihrer Interessensbekundung an AmMet@dmg-ev.de.

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